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Niederlande Populäres Anglerziel

Niederlande Populäres Anglerziel

Von den 68.000 ausländischen Sportanglern, die im Jahre 2019 den VISpas hatten – ein Wachstum von gut 25 % gegenüber dem Vorjahr – kommt die Mehrheit aus Deutschland (54.244) und Belgien (9.994). Auch in diesem Jahr scheinen wir, der Coronakrise ungeachtet, wieder mehr ausländische VISpas-Inhaber begrüßen zu dürfen. Neugierig darauf, was Sportangler dazu bewegt, in die Niederlande zu reisen, zog Hét VISblad kurz nach Öffnung der Grenzen für Touristen ans Wasser: auf der Suche nach den weißen Kennzeichen.

1 „in den niederlanden ist die sportangelkultur viel ausgeprägter als bei uns“


An einer der abgesenkten Buhnen an der Waal bei Slijk-Ewijk stoßen wir auf Thomas Rosteius (32) und seinen Angelfreund Simon Paetholz (31). Der am Deich geparkte rote Opel Astra Kombi mit deutschem Kennzeichen verriet die Anwesenheit der beiden leidenschaftlichen Raubfischangler aus Bochum. „Dieser Angelplatz bedeutet für uns eine Anreise von 140 km“, sagt Thomas mit nahezu wegwerfender Geste. „Heute haben wir nur ein paar Stunden Zeit zum Angeln, deshalb bleiben wir in der Grenzregion.“ Wenn sie mehr Zeit haben, fahren sie lieber weiter zum Haringvliet. „Dann übernachten wir dort in der Nähe und mieten ein Boot. Meist sind wir dabei zu dritt, mit Angelfreund Martin, der heute nicht dabei sein konnte.“ Der touristisch-ökonomische Beitrag der ausländischen Sportangler ist erheblich.   

FISHING IN HOLLAND
Thomas und Simon angeln schon seit drei Jahren in den Niederlanden. „Wir hatten gehört, dass die Niederlande das Anglerparadies sind, also waren die VISpassen schnell online bestellt.“ Dank des digitalen Rundbriefes, den sie seither automatisch einige Male im Jahr erhalten, fanden sie die Website www.fishinginholland.nl. Über diese digitale Plattform stimuliert Sportvisserij Nederland den Sportangeltourismus in den Niederlanden und werden auf deutsch, englisch, polnisch und französisch Informationen über die Regeln und Möglichkeiten des Angelsports in den Niederlanden verschafft. „Das funktioniert perfekt. Man weiß genau, woran man ist, und wir gewinnen dort auch Inspiration für neue Angelgebiete in den Niederlanden.“


48 CM BARSCH
Die beiden Männer angeln in den Niederlanden nur Catch & Release. Thomas: „Wir wissen, dass es an vielen Plätzen erlaubt ist, einen Fisch mitzunehmen, doch uns ist wohler in der Haut, wenn wir alle zurücksetzen. In Deutschland haben wir nämlich das Umgekehrte erlebt: Dort sind ganze Gewässer praktisch fischfrei, weil fast alles mitgenommen wird. Bei uns ist es auch gesetzlich vorgeschrieben, den Fang zu töten. Absurd!” Sein PR-Barsch mit 48 cm Länge kommt denn auch aus den Niederlanden. „Ein solch kapitaler Barsch ist wirklich einmalig für uns, dank der Catch & Release-Kultur hier stößt man viel eher auf solch einen Prachtburschen“, preist Thomas die niederländische Mentalität. Am selben Tag fing Simon übrigens seinen PR. „Der war 45 cm“, ergänzt er stolz. 

PETA
Die Bochumer machen also von Herzen gern einen Umweg von ein paar hundert Kilometern, um in den Niederlanden angeln zu können. „Schau dich um, überall ist Wasser. Und darin schwimmen mehr und größere Fische als in den meisten Gewässern bei uns“, fasst Simon die wichtigsten Gründe für den Grenzübertritt zusammen. „Die Sportangelkultur ist hier viel ausgeprägter als bei uns. In Deutschland gibt es Bewegungen wie die Tierrechtsorganisation PETA, während in den Niederlanden der Angelsport gesellschaftlich viel mehr akzeptiert ist. Da macht das Angeln gleich viel mehr Spaß.“

2 „angeln gehört zu holland“


An einem großen Erholungssee in der Nähe eines Urlaubsparks unweit der Randstad stoßen wir auf Alexander Hollmann (34) und Wladimir Schumacher (36). Wladimir enthakt gerade ein schönes Rotauge, das er mit seiner teleskopischen Feederrute gefangen hat. Um das Eis zu brechen, stellen wir wie beiläufig die Frage, ob sie den Fisch später essen werden. „Ja, wir werden ihn sicher nicht trinken“, antwortet Wladimir schlagfertig, woraufhin er zwinkert und den Fisch mit dem Kescher vorsichtig ins Wasser zurückgleiten lässt. Die zwei Freunde verbringen mit ihren Frauen und Kindern eine Woche im Ferienpark und haben sich heute abend kurz abgeseilt, um ein paar Stunden Friedfisch zu angeln. 

 

„IMPORT“-DEUTSCHE
Da wir einen leichten Akzent zu hören meinen, erkundigen wir uns höflich, ob die beiden wirklich native Deutsche sind. „Haha, gut gehört“, sagt Alexander. „Ich komme aus Russland, als ich zehn war, zogen meine Eltern nach Deutschland wegen der Arbeit.“ Wladimir kommt aus einer südöstlicheren Ecke: „Kasachstan. Doch genau wie Alexander lebe ich seit früher Jugend in Deutschland.“ Die beiden kommen aus dem Örtchen Marsberg, im unter niederländischen Wintersportlern wohlbekannten Hochsauerlandkreis – der Gegend rings um Winterberg.

STRENGER GEREGELT
Das Angeln in den Niederlanden – und den Urlaub hier im allgemeinen – erfahren die beiden Herren als locker. „In Deutschland ist eine Fischereiprüfung nötig (ein verpflichtetes Basisdokument, das jeder Sportangler haben muss, bevor er angeln darf); alles ist viel strenger geregelt als hier“, sagt Alexander. Drei Jahre hintereinander fuhren sie mit ihren Familien in den Urlaub ans Veluwemeer, doch dieses Jahr wollten sie Neuland erkunden. „Auch hier ist das Angeln herrlich. Wir haben gestern abend einen guten Fang gemacht – viele große Rotaugen und auch einige Rotfedern.”

IMMER DIE ANGELRUTEN DABEI
Der Kontrast zu den Fängen, die sie letzten Sommer am Diemelsee in der Nähe ihres Wohnortes gemacht hatten, ist groß. „Wir haben damals zwei Wochen lang fast täglich an diesem Stausee geangelt. Das Ergebnis? Nur eine kleine Rotfeder. Dort ist es leider sehr überfischt. Wenn wir mit den Frauen und Kindern in Deutschland in den Urlaub fahren, lassen wir seit einigen Jahren unsere Angelruten zu Hause. Fahren wir dagegen in die Niederlande, dann sind die Angeln so ungefähr das erste, was wir einpacken. „Angeln gehört zu Holland“, so Wladimir.

3 „ich angle schon 38 jahre in den niederlanden“

Auch für Jürgen Kersting (54) und seine Frau Renate Berling (55) sind ein paar Kilometer mehr oder minder kein Hindernis. „Wir wohnen in Ahaus, nahe Enschede”, sagt Jürgen. „Dieser Platz an der Waal bedeutet für uns eine Anreise von 110 km. Für einen Tagesausflug fahren wir ohne weiteres 200 km hin und dieselbe Strecke wieder zurück.“ Sie kommen schon 19 Jahre – solange sie sich kennen – gemeinsam in die Niederlande, um zu angeln. Jürgen kannte schon viele Plätze, weil er seit seinem 16. Lebensjahr mit seinen Eltern hierher zum Angeln kam. „Auch ich fahre regelmäßig mit einem Kollegen an ein holländisches Gewässer”, fügt er hinzu, während er seine mit toten Rotaugen beköderten Zanderruten vorbereitet. 

KOMBINIEREN
Neben den Angelsportmöglichkeiten ist auch die niederländische Landschaft der Grund für einen Besuch der Niederlande. „Es ist hier schöner als in unserer Gegend“, legt Renate los, während sie sich eine Zigarette anzündet. „So viel Wasser, so viele schöne Plätze.“ Zudem lässt sich das Angeln auch wunderbar mit anderen Aktivitäten kombinieren. „So waren wir letztes Jahr in Batavia Stad (ein Fashion-Outlet bei Lelystad - Anm. d. Red.). Dort habe ich vormittags schön eingekauft, und nachmittags gingen wir angeln“, lacht sie. „Ich habe den Vormittag anders gestaltet“, bekundet Jürgen. „Während sie ihren Schaufensterbummel machte, habe ich herrlich dort in der Nähe geangelt.“

ASCHENBECHER DABEI
Renate hat ihre Zigarette beinahe aufgeraucht, also nimmt sie ihren Aschenbecher zur Hand. „Schau, ich nehme sogar meine Zigarettenstummel ordentlich wieder zurück“, sagt Renate stolz. Wie andere Sportangler stört sich auch dieses deutsche Paar an dem Unrat, der mancherorts das Ufer verunziert. „Es schmerzt mich, dass wir als Deutsche manchmal dafür verantwortlich gemacht werden.“ Während sie doch ganz ordentlich sind. „Siehst du die verbrannte Erde hinter uns?“, fragt Jürgen. „Dort war letztens ein großes Lagerfeuer. Die Leute hatten das Feuer brennend zurückgelassen. Da nahm Renate gleich ihre Cola-Flasche, um das Feuer zu löschen.“ 

 

„HECHTE NICHT ESSEN“
Die beiden haben nicht viel übrig für die deutschen Vorschriften, besagen diese doch, dass man seinen Fang töten muss. „Wir behandeln den Fisch mit Respekt, so dass wir ihn unversehrt zurücksetzen können. Welchen Sinn hätte es, den Hecht zu töten? Der schmeckt überhaupt nicht“, behauptet Jürgen bestimmt. Übrigens nehmen sie hin und wieder durchaus einen Zander für die eigene Küche mit. „Dagegen ist nichts einzuwenden, das ist bei vielen Gewässern in den Niederlanden erlaubt. Wir nehmen jedoch nur so viel mit, wie wir bei einer einzigen Mahlzeit schaffen.“ Letztes Jahr hatten wir an der IJssel einen Spitzentag mit 28 Zandern, drei Hechten und einem großen Barsch. Davon hatten wir nur einen Zander mitgenommen. Der Rest durfte wieder schön schwimmen.“

BESSER GEREGELT
Für Jürgen und Renate ist der VISpas sowieso eine wahre Erleichterung. „In den zwei Seen in der Nähe unseres Wohnortes können wir überhaupt nicht mehr angeln. Der lokale Verein erteilt eine bestimmte Anzahl Genehmigungen für Leute, die in der betreffenden Stadt wohnen oder dort geboren sind. Darum kommen wir lieber in die Niederlande. Hier können wir mit einer billigeren Genehmigung in viel mehr Gewässern angeln. Ob wir nun zu unserem Lieblingsferienhaus am Rhederlaag fahren, die Sommerferien an der holländischen Küste verbringen oder wie heute einfach einen Tag über die Grenze fahren.“
Jürgen und Renate haben beide einen VISpas, damit angeln sie in den ganzen Niederlanden.

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